Wiederholte Fehlgeburten bleiben bei mindestens 50 Prozent der betroffenen Paare unerklärbar

Weitere Schwangerschaften sind möglich
Fehlgeburten besiegeln kein endgültiges Urteil über den Kinderwunsch

Von Michael Lange

Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, haben die Hoffnung auf ein weiteres Kind oftmals verloren. Und dennoch: Eine erneute Schwangerschaft ist durchaus möglich. Das zeigen aktuelle Forschungsergebnisse aus den Niederlanden.

Immer wieder kommt es bei scheinbar normal verlaufenden Schwangerschaften zu Fehlgeburten. Der außerhalb des Mutterleibes noch nicht überlebensfähige Fötus stellt das Wachstum ein, die Verbindung zur Gebärmutterwand löst sich, und es kommt zur Fehlgeburt. Insbesondere Frauen, denen das zweimal oder dreimal wiederfährt, hadern mit ihrem Schicksal. Nicht wenige sind verzweifelt, weiß der niederländische Arzt Stef Kaandorp vom Akademischen medizinischen Zentrum in Amsterdam.

„Wiederholte Fehlgeburten bleiben bei mindestens 50 Prozent der betroffenen Paare unerklärbar. Für sie gibt es keine allgemein anerkannte Behandlung. Wir wollten ihnen wenigstens Klarheit geben, welche Chancen auf eine gesunde, erfolgreiche Schwangerschaft bestehen. Das ist wichtig für die Beratung der Frauen.“

Gemeinsam mit der Studienleiterin Mariette Goddijn fand Stef Kaandorp 231 Paare, die zwei- oder mehr Fehlgeburten hinter sich hatten, ohne dass eine Erklärung gefunden werden konnte.

„Im Durchschnitt dauerte es 21 Wochen, also fünf Monate, bis die Frauen erneut auf natürlichem Wege schwanger wurden. Nach einem Jahr waren 74 Prozent der betroffenen Frauen wieder schwanger und nach zwei Jahren 84 Prozent. Und was das wichtigste ist: Bei 65 Prozent endete die Schwangerschaft mit der Geburt eines Kindes.“

Diese Zahlen machen Hoffnung. Auch nach zwei oder mehr Fehlgeburten ist die Chance, ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen, etwa genauso groß wie im Gesamtdurchschnitt aller gleichalterigen Frauen mit Kinderwunsch.

Der Rat der niederländischen Ärzte lautet deshalb: Die Hoffnung nicht aufgeben. Von Medikamenten, wie Heparin oder auch Aspirin, raten sie ab. Insbesondere in Deutschland werden diese Medikamente oft verschrieben, um die Blutversorgung des Fötus zu verbessern. In früheren Studien der niederländischen Mediziner zeigten diese Medikamente jedoch keinerlei Wirkung.

„Wir haben keine evidenzbasierte Behandlungsmethode für diese Frauen. Deshalb setzen wir ganz auf Information. Das Wissen um die guten Erfolgsaussichten macht den Paaren Hoffnung für die Zukunft. Nun können wir berechnen, wie gut die Chancen für die Geburt eines Kindes stehen.“

Um dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen, gibt es keinen Weg, der unter Fachleuten allgemeine Zustimmung findet. Auch der Wechsel des Partners, scheint wenig erfolgversprechend, wenn es keine körperliche Ursache dafür gibt, dass ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Dazu äußerte sich auf der Europäischen Tagung der Reproduktionsmediziner und Embryologen (ESHRE) in Stockholm der dänische Spezialist Ole Christiansen von der Universitätsklinik Kopenhagen.

„In einer Studie entdeckten wir, entgegen unseren Erwartungen, dass der Wechsel des Partners sich sogar negativ auswirkt. Damals ging es um Paare, die sich erfolglos ein zweites Kind wünschten. Für sie und andere gilt die Empfehlung: Bleiben Sie bei ihrem Partner. Das scheint die Chancen zu verbessern, dass ihr Kinderwunsch in Erfüllung geht.“

Quelle: dradio.de
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/1497881/

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